Ammar

Als ich in Deutschland ankam, habe ich sofort angefangen, Deutsch zu lernen. Ich kann mir nicht vorstellen, langfristig in einer Stadt zu leben, ohne die einheimische Sprache zu sprechen, damit mein Alltag problemlos laufen kann.

Ich sollte dann zum Arzt gehen, damit ich meine Therapie starten kann. Ich habe nie damit gerechnet, dass man in einer Arztpraxis Kommunikations- und Sprachbarrieren begegnen kann, auch weil ich gut Englisch spreche.

In der HIV-Praxis wurde mir gesagt, dass wir in Deutschland sind und ich Deutsch zu sprechen habe

In der HIV-Praxis wurde mir gesagt, dass wir in Deutschland sind und ich Deutsch zu sprechen habe. Ich habe versucht zu erklären, dass ich bereits angefangen habe, zur Sprachschule zu gehen, dass es aber noch nicht reicht, um zu kommunizieren. Die Empfangsdame sagte mir, dass ich schneller lernen solle. Darauf konnte ich nicht reagieren. Was weiß sie über mein Leben, die Situation, in der ich mich als Flüchtling befinde, die Schwierigkeiten, denen ich begegne? Zumindest ist es unhöflich, in dieser Weise angesprochen zu werden.

Bei der Blutabnahme war die Situation nicht viel anders. Die Krankenschwester versuchte, mit mir zu sprechen, als sie mir Blut abnahm. Erst fragte sie, woher ich käme. Kurz bevor sie die Nadel in meinen Arm stach, fragte sie, ob ich ein Flüchtling sei. Ich wusste nicht, wie ich darauf antworten sollte. Ich wollte ihr sagen, dass es sie nichts angehe, dass es eine persönliche Sache sei. Aber ich wollte sie nicht verärgern, weil die Nadel schon in mir steckte.

Auch vom Arzt war ich sehr enttäuscht. Er versuchte auch, mit mir auf Deutsch zu reden, obwohl ich noch nie in der Therapie war und er gut Englisch sprechen kann. Ich wollte viele Fragen über die Einnahme und die Nebenwirkungen der Medikamente stellen. Ich wollte ihm auch zeigen, dass ich ein guter Patient bin.